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Purpur Photo Waldkauz 2017

21.05.2017 | Dem Ruf gefolgt

Eine Prise Synchronizität gepaart mit einem Schuss Serendipität brachten mir ein echtes Daheim. Welche Rolle dabei der Waldkauz spielt, ist gleich zu erfahren.

'Ein Kauz schreit in der Ferne und lässt mich aufhorchen. Selten, dass ich beschäftigtes, fast schon selber digitalisiertes Lebewesen, einen Laut wie diesen bewusst wahrnehme. Ich halte Innenschau. Sogleich überkommt mich eine vage Erinnerung. An was nur? – Es ist schon spät. Der Mond wird langsam voll. Wo der Kauz wohl sitzt? Ohne zu wissen, lausche ich und freue mich über das Geräusch aus der freien Wildbahn. Mysteriös, wie aus dem Dunkel der Nacht der Schrei noch weitere Male mehr ertönt. Unregelmässig. Da schon wieder, und nach einer längeren Pause höre ich ihn scheinbar weiter weg ein letztes Mal. Trotzdem, vielleicht oder wegen des grossen Unwissens über das Meiste, klingt sein Ruf als Echo in mir noch lange nach. Und als Erinnerung braucht er weder Definition noch Beweis – das durch ihn hervorgerufene innere Bild in mir ist gefühlte Wahrheit und Aufforderung zugleich: Weniger tun, mehr sein!'

Dieser Text schrieb ich vor fast vier Jahren. Damals hauste ich seit 18 Jahren in der Innenstadt Thuns, und war eingebunden in mehr oder weniger regelmässig zu verrichtende berufliche Arbeiten, für die ich auch in den reissenden Strom des Pendlerverkehrs eintauchte. Der Ruf des Kauzes und das damit verbundene Kopfkino setzten bei mir etwas in Gang. Es sollte noch einige Zeit vergehen, doch bereits da standen die Zeichen auf Veränderung: Als erstes wurde das Projekt meiner Selbstständigkeit in dieser Phase komplett umgesetzt. Ich wagte den Sprung, es brauchte viel Mut – und ist gut. Dadurch gewann mein Leben eine total selbst geprägte Zeitqualität, die mir zugleich mehr Raum zum Sein schenkt, wie auch mehr Selbstdisziplin abverlangt. Wobei ich das nicht als einschränkend empfinde. Denn es bleibt bist jetzt stets genug Zeit für mein So-Sein.
Und als zweites grosses Ereignis geschah dies: Im Januar 2016 wurde mir nach 21 Jahren – nicht ganz unerwartet – meine geliebte Altstadtwohnung gekündigt. Zum Glück! Über sieben Ecken und doch ganz linear führten mich die darauffolgenden Ereignisse in die Natur – und in unmittelbare See- und Waldnähe – nach Gunten. Wo ich seit Juni 2016 in einem stattlichen, schönen alten Haus mit idyllischem Garten lebe und arbeite. Die Atmosphäre hier ist derart inspirierend, dass sogar die vielgepriesene innere Gelassenheit phasenweise greifbar wird. Einfach wunderbar! Und jetzt kommt's: Meine Umgebung, der Wald ist absolutes Kauz-Gebiet. Schliesslich hat es in diesem Frühjahr Einer sogar bis auf meinen Dachboden geschafft. Er stieg durch eine Nische aus seinem winterlichen Tagesquartier, dem alten Kamin des Hauses, und hat sich mir gezeigt, sodass ich ein Bild von ihm machen konnte. Ihr seht es hier im Beitrag! Es ist ein echter Waldkauz, dem ich ganz ehrfürchtig begegnet bin. Als unsere Blicke sich für einen endlos langen Moment trafen, spürte ich: Jetzt habe ich den Eulenvogel mitsamt Glück gefunden – und das, ohne danach gesucht zu haben. 

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