Blog

Original Photo 485508938 387602

07.07.2016 | Das Wiederbeleben der Mystik

Kann man Mystik einfach erklären – warum sollte man sie wiederbeleben und wie gelangen nicht nur Mystiker zur viel gepriesenen Seligkeit? 

Cicero spielt mit intuitiver Mantik auf die Bewusstseinsentwicklung an, welche in die Mystik gipfelt. Mystik bedeutet das Erleben des Eins-Sein, der Vereinigung mit Gott, dem Höchsten, dem Einen. Diese mystische Vereinigung (lat. unio mystica) wird für den, der sie erlebt, unmittelbar offenbar: als mystisches Sehen wird sie nicht mit den Augen wahrgenommen: Das griechische Wort 'myein' (schliessen [von Lippen und Augen]), von dem 'Mystik' abgeleitet wird, suggeriert, dass dabei die Sinne nach innen gewandt sind. Dieses mystische Schauen, dieses Eindringen in die Wahrheit wird von einem bewussten Sein, dem Bewusst-sein und einer tiefen Freude – nennen wir sie Seligekeit – begleitet. 

Wer schaut bei dieser Form von Sehen? Etwa das dritte Auge? Östliche und hinduistische Praktiken aktivieren die Bewusstseinsentwicklung mit den sieben Chakras – den Energiezentren, die sich entlang der Wirbelsäule erstrecken. Dazu wird die Schlangenkraft der Kundalini, die zusammengerollt am unteren Steissbein ruht, geweckt und zum Aufsteigen in den Kopf eingeladen. Der Aufstieg der Kundalini öffnet das sogenannte dritte Auge, welches sich dabei zwischen den Augenbrauen gedacht wird.

Auch im Westen hat die Idee des dritten Auges ihre Bedeutung: Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes kannte «eine kleine Drüse im Gehirn, in der die Seele ihre Funktion spezieller ausübt als in jedem anderen Teil des Körpers». Heute wird von manchen in einem Mix aus Neurobiologie und Esoterik die Zirbeldrüse im Hirn als einstiger Sitz des dritten Auges angenommen. Dieses dritte Auge – früher für die Betrachtung der nicht-materiellen, seelischen und geistigen Welt gebraucht – sei infolge der vorherrschend materialistischen Orientierung verkümmert. Dabei vermag die Zirbeldrüse erwiesenermassen auf elektromagnetische Schwingungen zu reagieren. Die Meditation kann dieses verkümmerte dritte Auge öffnen und wiederbeleben – und so die seherischen Fähigkeiten eines jeden Menschen wiedererwecken. Denn alle suchen sie. Der Theist, der Atheist, der Christ, der Hindu, der Mohammedaner, der Katholik, der Kommunist, jeder sucht Seligkeit. Und nicht nur die Menschen: Tiere, Vögel, Bäume, alles, was besteht, bewegt sich – wissend oder unwissend – auf die Seligkeit zu. Der Mystiker bewegt sich wissend. Denn unwissend ist es unmöglich, sie zu erreichen. Es geschieht nur durch grosse Bewusstheit und feinstem Sinn. Seligkeit ist das, was alles ist. Sie steht dir zu – und zwar für immer, doch du hast sie vor lauter Aktivität vergessen.

Zurück zum Blog |