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07.12.2016 | Ein guter Text

Ein guter Text ist ein guter Text. Weil er wirkt. Eine gute Texterin weiss, was wirkt.

Die Welt ist schwer zugänglich und geheimnisvoll. Jede Aussage ist nur der Versuch einer Annäherung. Autoren, Texter und Erzähler versuchen also mit Aussagen und Botschaften Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu gewinnen. Damit das geschieht, braucht es einen guten Text. Auf seinen Spuren versuche ich das Wesentliche dazu festzuhalten: Guter Text ist feinsinnig. Es gibt für ihn nur wenige verbotene Gewürze, aber sehr viele, die ihn verderben. Umso wichtiger sind daher die bewussten Absichten des Verfassers und seine Klarheit über das Publikum. Dazu braucht er eine gehörige Portion Beobachtungsgabe und einen guten Sinn für das Zuhören. Der Autor muss den Stier also ganz schön mutig bei den Hörnern packen – gegen fremde Einflüsse schützt er sich, aber nicht beim Schreiben. Ein guter Text wird verschlungen, auswendig gelernt und rezitiert. Oder immer wieder aus dem Regal gezogen und studiert oder als Basis für weitere Verfassungen gebraucht. Guter Text besticht für sich und nicht durch die Gelegenheit, die ihn hervorbringt. Er ist umso wirksamer, je vielschichtiger er anspricht. Im besten Fall ist er wie ein Spiegel für den Leser. Weil man ihn gerne wiederholt liest. So kann persönliche Entwicklung zwischen dem ersten und dem letzten Mal Lesen festgestellt werden. Das ist dann grosses Glück. Denn ein Text, dem das gelingt, wird von Vielen auch in Zukunft als »gut« eingestuft. Weil er trifft, anspricht, aufklärt, nachklingt, tröstet, Bewusstsein erweckt, berührt, bewegt und wahr ist.
Und wie muss ein Text sein, wenn er verkaufen soll? Also, dann muss er besonders griffig sein und schnell auf den Punkt kommen. Dazu braucht es einen Aufbau: Mit einem Einstieg, der neugierig macht und einer Botschaft, die sofort verständlich ist. Knappe Sätze erhöhen die Lesbarkeit – 9 Wörter pro Satz – und kurze Wörter: Im Schnitt zweisilbig, maximal viersilbig, empfiehlt die Wissenschaft. Dazu gibt es Lesbarkeitsformeln. Doch daran hält sich kein Mensch beim flüssigen Texten. An die Glaubwürdigkeit jedoch schon. Person oder Firma dahinter sollen denn spürbar sein – Gefühle auch. Als Ganzes soll er stets flüssig, rund und zielorientiert sein. Fazit: Guter Text passt sich dem Leser an, ist lebendig und bildhaft. Es sind die Wörter, die ihn prägen. So malen richtig gute Texte Bilder im Kopf. 

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