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07.03.2016 | Für ‚handeln’ gab es im Griechischen ursprünglich zwei Wörter

Die griechischen Wörter ‚archein’ und ‚pratein’ standen für geistiges und praktisches ‚handeln’. Schauen wir doch einmal, ob und wie viel Archetypus noch heute in der Praxis zu finden ist.

Im alten Griechenland war man sich des ‚anfangenden Handelns’ bewusst. Das Entwerfen von Ideen verdiente zumindest ein eigenes Wort, und das lautete: ‚archein’. Denn alles praktische Handeln wurde und wird in einer unsichtbaren Geisteshandlung vorgeformt. Das Wort ‚archein’ trägt dieser Tatsache Rechnung. ‚Archein’ sieht die Gestalt der Dinge voraus bevor sie handwerklich bearbeitet und materiell sichtbar werden.

‚Pratein’ hingegen war für die Griechen eine Form des Abarbeitens von Ideen: die technische Umsetzung des Entwurfs, der durch die vorgängige Handlungsart zuerst gewonnen werden musste. Daraus ist die heutige Praxis entstanden – der Ort oder die Form des tatkräftigen Handelns.

Dass wir für das geistige Handeln heute kein eigenes Wort mehr besitzen, zeigt: Wir haben das Bewusstsein dafür verloren, dass alles praktische Handeln in einer unsichtbaren Geisteshandlung zuerst vorgeformt wird.

Mit diesem kleinen Exkurs in die Welt der Wortgeschichten wird auch klar, wie der ‚Archetypus’ – sprich: der ‚geistige Vater’ in seiner für ihn eigenen Urform – also auf ‚archaische’ Art und Weise die Gestalt der Dinge ursprünglich prägt. Ebenso kommen wir mit diesem Wortverständnis der 'Architektur' langsam aber sicher auf die Spur.

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