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07.05.2019 | Ein guter Text

Ein guter Text ist ein guter Text. Weil er gelesen wird und wirkt. Eine gute Texterin weiss, was wirkt.

Die Welt ist schwer zugänglich und geheimnisvoll. Jede Aussage ist nur der Versuch einer Annäherung. Autoren, Texter und Erzähler versuchen also mit Aussagen und Botschaften Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu gewinnen. Damit das geschieht, braucht es einen guten Text. Auf seinen Spuren versuche ich das Wesentliche dazu festzuhalten: Guter Text ist feinsinnig. Es gibt für ihn nur wenige verbotene Gewürze, aber sehr viele, die ihn verderben. Umso wichtiger sind daher die bewussten Absichten des Verfassers und seine Klarheit über das Publikum. Dazu braucht er eine gehörige Portion Beobachtungsgabe und einen guten Sinn für das Zuhören. Der Schreiberling packt also sozusagen den Stier mutig bei den Hörnern – schützt sich sonst gegen fremde Einflüsse, nicht aber beim Schreiben. Ein guter Text wird verschlungen, auswendig gelernt und rezitiert. Man zieht ihn immer wieder aus dem Regal, studiert ihn oder braucht ihn als Basis für weitere Verfassungen. Guter Text besticht für sich und nicht durch die Gelegenheit, die ihn hervorbringt. Er ist umso wirksamer, je vielschichtiger er anspricht. Im besten Fall wirkt er wie ein Spiegel für den Leser. Weil man einen solchen Text gerne wiederholt liest, kann persönliche Entwicklung zwischen dem ersten und dem letzten Mal Lesen festgestellt werden. Das ist dann grosses Glück. Denn ein Text, dem das gelingt, wird auch in Zukunft als gut eingestuft. Weil er trifft, anspricht, nachklingt, Bewusstsein erweckt, berührt, bewegt und also wirkt.
Und wie muss ein Text sein, der verkaufen soll? Dann muss er besonders griffig sein und schnell auf den Punkt kommen. Dazu braucht es einen klaren Aufbau: Mit einem Einstieg, der neugierig macht und einer Botschaft, die sofort verständlich ist. Knappe Sätze erhöhen die Lesbarkeit – neun Wörter pro Satz – und kurze Wörter: Im Schnitt zweisilbige, maximal viersilbige, empfiehlt die Wissenschaft. Dazu gibt es sogar sogenannte Lesbarkeitsformeln. Doch daran hält sich beim flüssigen Texten kein Mensch. An die Glaubwürdigkeit aber schon. Person oder Firma dahinter sollen spürbar sein – Gefühle auch. Als Ganzes ist ein lesenswerter Text stets flüssig, rund und zielorientiert. Fazit: Ein guter Text passt für seine Leserinnen und Leser, ist lebendig und bildhaft. Es sind die Wörter, die ihn prägen und in die Köpfe seiner LeserInnen starke Bilder malen.

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