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14.07.2017 | Sklaven des Wachstums

Demografische Fakten und Analysen sind die Grundlagen des Buches von Reiner Klingholz: «Sklaven des Wachstums» – nie waren Statistiken und Hochrechnungen spannender zu lesen!

«Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge». Unter dieses Zitat des Schweizers Hans A. Pestalozzi könnte man das im Campus Verlag erschienene Buch des Deutschen Reiner Klingholz: «Sklaven des Wachstums» gut stellen. Der Chemiker, Molekularbiologe und Wissenschaftsautor Reiner Klingholz, Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung schaut seit Jahren als Demografieexperte genau hin. Obschon der Titel des Buches «Sklaven des Wachstums» im ersten Moment drastisch – oder schlicht: absatzfördernd – erscheint, ist er angebracht: Denn von einer Versklavung des wirtschaftlichen Denkens und Handelns kann durchaus die Rede sein. Schaut man auf die sonderbaren und unmenschlichen Entwicklungen, die kapitalistisches, neoliberales und kapitalmarktabhängiges Dasein und Wirtschaften lokal und global hervorbringen, sieht man der ‚Versklavung’ direkt in ihr hässliches Antlitz.

Tatsächlich schrieb Klingholz weitgehend basierend auf demografischen Erhebungen eine rasante Story des scheinbar unaufhaltsamen 'Vergehens' in zwölf Kapiteln. Es ist aber auch eine Geschichte der Befreiung. Nach dieser fahren wir entweder gegen die Wand oder hinein in eine 'positive Subversion' (=Möglichkeiten für neue Lebensformen in der nachindustriellen Zeit). Dass die Menschen in den hoch entwickelten Ländern wachstumsmüde geworden sind und lieber einen Gang herunterschalten, anstatt immer weiter im Hamsterrad der Wohlstandsmehrung zu strampeln, führt noch zu keiner universellen Einsicht, das Verhalten zu ändern, noch gibt es eine globale Patentlösung zur Rettung der Welt. Zu viele Eigen- und Kurzfristinteressen stehen dem entgegen.

Reiner Klingholz ist aber fest überzeugt: «Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir das Schrumpfen lieben lernen.»

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