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07.12.2016 | Von Heilkräutern und Pflanzengottheiten: Ein Reiseführer durch die kosmische Pflanzenwelt

Wolf-Dieter Storl ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Als Pflanzenheilkundiger kennt er die Traditionen der indigenen Völker auch ausserhalb Europas. Und seine Bücher schreibt der Selbstversorger vor allem im Winter.

Wolf-Dieter Storl versteht es verschiedene, komplexe Wissensgebiete auf spannende und verständliche Weise miteinander zu verknüpfen. Auch wenn es der Titel vermuten lässt: Hier geht es nicht um ein Buch, das einem diverse Korrespondenzen zu Gottheiten und Pflanzen liefert oder einfach einzelne Kräuter vorstellt. In diesem Buch geht es um viel mehr. Und immer wieder geht es um das Wissen über die Entsprechungen von Makro- und Mikrokosmos. 'Wie oben so unten' und wie alles eins ist. Storl gibt sein sehr umfangreiches Wissen von den Anfängen der Kräuterkunde bis heute wider. Er nimmt uns mit auf einen Exkurs durch die grossen Medizin-Lehren der Welt: Indien, China, Afrika und die des Westens.

Seit dieser Lektüre weiss ich zum Beispiel, dass die Cheyenne-Indianer nie mehr als vier Pflanzenarten an einem Sammeltag sammeln. Mehr würde Unglück bedeuten. Bevor der kräuterkundige Indianer zu sammeln und zu graben beginnt, unterzieht er sich einer klar definierten Reinigungszeremonie. Auch das Ausgraben selber folgt einer strengen Handlungsabfolge, bei der die vier Himmelsrichtungen eine wichtige Rolle spielen.

In jeder Pflanze sind sämtliche planetarische Prägungen vertreten. Die Gedanken der Ausprägung einem Planeten gegenüber, der sogenannten Planetensignatur sind so alt wie die Geschichte der Pflanzenheilkunde. Ob das Vorherrschende bei der fokussierten Pflanze: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter oder Saturn ist, kann in keiner Tabelle nachgelesen werden. Vielmehr geht es bei dieser Art von Bestimmung um genaue Beobachtungsgabe, sowie um die grundsätzliche Charakteristika des jeweiligen Planeten im Wechselspiel mit der Pflanze. Zur Zeit des Paracelsus nannte man das die astralen Einflüsse. Aster = Stern. In unserer Sprache leben immer noch die Begriffe dieses Weltbildes fort, wenn wir von der Influenza (Grippe), also dem Einfluss, oder dem Desaster (lat. des + astrum = schlechter Stern) sprechen.

Enorm spannend finde ich zudem die Kapitel zu den Übergangsriten, der Kunde der weisen Frauen. Oder die kurzen Anrisse über die germanischen und keltischen Gottheiten. Oder der Astralflug zu den Devas, wie man sammelt, einen Kräutergarten anlegt, mit den Pflanzen spricht oder was es mit der Nachtschattenpower auf sich hat. Und nicht zu vergessen: Das Buch ist gespickt mit exorbitant wunderbarer Wortherkunftsgeschichte auch Etymologie genannt.
Ganz herrlicher Stoff für alle Menschen, die etwas übrig haben für Gesamtzusammenhänge – nicht nur für Botaniker.
Wolf-Dieter Storl gehört meine ganze Anerkennung!

Zur Website von Wolf-Dieter Storl.

Bild: Purpur Edition / Barbara Marty

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