
Wie kommt es heraus? Und warum wissen wir so viel und machen es trotzdem nicht anders? Über Fortschritt, Verantwortung und wie viel davon wir uns zumuten können, dürfen, sollen.
Es ist schnell gesagt.
Die Konzerne müssten. Die Politik sollte. Die Wirtschaft könne nicht immer weiterwachsen. Die Menschen bestellen zu viel im Internet. Fliegen zu oft. Kaufen Dinge, die sie nicht brauchen.
Stimmt vermutlich alles.
Dann klingelt es an der Tür.
Das Paket ist da.
Und schon wird es kompliziert. Nicht bei den anderen. Bei uns.
Denn wir wissen viel.
Um Klimawandel und Artensterben. Endliche Ressourcen und wachsende Abfallberge. Wir wissen, dass billig selten einfach billig ist. Dass unser Lebensstil Spuren hinterlässt, auch dort, wo wir sie nicht sehen.
Und bestellen trotzdem.
Nicht weil wir dumm wären. Nicht einmal, weil es uns egal wäre.
Es ist praktisch.
Und die Welt, deren Entwicklung wir kritisieren, ist dieselbe, in der wir unseren Alltag eingerichtet haben.
Wir wollen weniger Verkehr und mobil bleiben. Faire Produktion und bezahlbare Preise. Datenschutz und bequeme Apps. Weniger Ressourcenverbrauch und technischen Fortschritt. Klimaschutz und Ferien.
Veränderung – solange nicht ausgerechnet das verändert werden muss, woran wir uns gewöhnt haben.
Selbst unsere Haustiere geraten in die Nachhaltigkeitsrechnung. Sie fressen, verbrauchen Ressourcen, hinterlassen einen ökologischen Fussabdruck.
Nicht nachhaltig also?
Und Kinder?
Wir selbst?
Sind wir überhaupt jemals nachhaltig?
Der Widerspruch ist schnell bei den anderen entdeckt.
Beim eigenen Leben wird er unbequem.
Wie viel Veränderung wollen wir, wenn sie bei uns selbst ankommt?
Man könnte nun weniger bestellen, weniger fahren, weniger fliegen, weniger verbrauchen.
Nur wäre die Rechnung zu einfach.
Wir bewegen uns in Verflechtungen, die wir weder allein geschaffen haben noch allein verändern können.
Unternehmen produzieren. Politik regelt. Preise lenken. Infrastruktur ermöglicht und verhindert. Algorithmen kennen unsere Wünsche, bevor wir sie formuliert haben.
Das System sind nicht einfach wir.
Aber wir sind auch nicht ausserhalb des Systems.
Wir kaufen, wählen, nutzen, klicken, verlangen, verzichten, investieren, arbeiten.
Wir profitieren und beklagen.
Treiben Entwicklungen an, deren Folgen wir nicht wollen. Und wollen manches sehr wohl – bloss nicht unbedingt das, was daran hängt.
Darin liegt die Zumutung von Verantwortung.
Nicht für alles verantwortlich zu sein.
Sondern sich selbst nicht aus der Rechnung nehmen zu können.
Wir sprechen von «der Entwicklung», als liefe sie vor unseren Augen ab. Beobachten, analysieren, beurteilen. Fragen uns, wie das alles wohl herauskommt.
Dabei sind wir mittendrin.
Verwickelt sind wir längst.