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14.08.2017 | Das Wort 'orientieren' orientiert sich am Osten

Die 'Orientierung' gelangte vom geographischen in den philosophischen Zusammenhang und dann in die Alltagsprache. Die Wortgeschichte eines absolut bildlichen Ausdrucks.

Das Wort 'orientieren' kommt von lat. 'oriens' 'sich erhebend'. Nun, von Europa aus gesehen ist der Orient das Land, das sich in Richtung der aufgehenden Sonne (sol oriens) befindet. Gegenüber vom 'Okzidenz', dem Land im Westen, wo sie untergeht (sol occidens). Die Wortbedeutung von 'orientieren' im ursprünglichen Sinn kommt von: Die Himmelsrichtung nach der aufgehenden Sonne bestimmen.

Mit Italienisch (orientare) und Französisch (orienter) gelangte der Begriff in die übrigen euopäischen Sprachen. So auch ins Deutsche. Und das im 18. Jahrhundert, zuerst noch wenig geläufig – wo 'orientieren' vor allem geographisch genutzt wurde, aber auch schon im allgemeinen Sinn für: sich genau der Stelle zu versichern, wo man ist und sich an einem Ort anhand eines Anhaltspunkts zurechtzufinden, um daraus einen Plan zu entwerfen.

Neben der Bedeutung im geographischen Sinn fanden rege philosophische Diskussionen der 'Orientierung' wegen statt. Kant, Mendelssohn, Kierkegaard, Smiljani, Nietzsche und andere Philosophen mehr bezogen Stellung und Standpunkt ihretwegen. Es kam die Biologie dazu, welche die Orientierungsfähigkeiten von Pflanzen und Tieren erforschte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts untersuchten die Psychologen die Orientierungsmechanismen des Menschen in seiner Umwelt. Schliesslich stellte die Soziologie erkenntnisreiche Unterscheidungen bereit: zur Analyse der Orientierung von Menschen aneinander. Dass die menschliche Orientierung überaus vielfältig ist, sei hier nur am Rande erwähnt. Und auch, dass sie damals wie heute für einige Zeitgenossen, einer schier gänzlichen Orientierungslosigkeit zu weichen scheint.

Damals wie heute gilt jedoch auch, und jetzt wird es bildhaft: Das Sonnenlicht hilft allen beseelten Wesen beim Sehen, und der Sonnenstand gibt beim Zurechtfinden den Anhaltspunkt für die richtige Richtung – und so auch, das Segel neu auszurichten.

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